angler.JPG (36909 bytes)

Von Anglern und Fischen
von Bernd Rothmann

Wenn man sich das Foto des Fisches ansieht, der hier vorgestellt werden soll, kann man gar nicht glauben, wie schwer es ist, einen Anglerfisch (Antennarius) zu entdecken.
Mehr noch als bei den Steinfischen gehört eine ordentliche Portion Glück dazu, an einem Korallenfelsen gerade dorthin zu schauen, wo der bis zu 15 cm lange Fisch unbeweglich sitzt und auf Beute lauert.
Ich selbst habe es erlebt, das Mittaucher, die durch Hinzeigen auf den Anglerfisch auf diesen aufmerksam gemacht worden waren, nachher ehrlicherweise zugaben, nichts gesehen zu haben.

" Frogfish" nennen ihn die englischsprachigen Tauchlehrer am Sinai, und in Anlehnung an den englischen Namen wird er auch im Deutschen oft als Frosch- oder Krötenfisch bezeichnet.
Dieser Name ist aber irreführend, weil der Angler- oder Fühlerfisch, wie er richtig heißen muß, biologisch gesehen nicht zur Ordnung der Froschfische (Batrachoidiformes) gehört. Die echten Froschfische ähneln ganz oberflächlich betrachtet den Seeskorpionen.

Die Anglerfische gehören zur Ordnung der sogenannten Armflosser (Lophiiformes). Bei diesen sind die Brustflossen derartig umgewandelt, dass die Fische auf ihnen gehen bzw. kriechen können. Außerdem ist der erste Rückenflossenstrahl als Angel mit Köder (Illicium) ausgebildet.
Alle Armflosser sind langsame, meist bewegungslose Tiere, die sich beim Beutemachen auf ihr riesiges Saugmaul verlassen.

Ein relativ bekannter, wenn auch nur entfernter Verwandter des Antennarius ist der Seeteufel (Lophius piscatorius), der einer anderen Unterordnung (Lophioidei) angehört. Ebenso entfernte Verwandte sind auch die bizarren Tiefseeanglerfische (Ceratioidei). Der Antennarius selbst gehört zur Unterordnung der Fühlerfische (Antennarioidei), zu der u.a. noch die Familie der Seefledermäuse zählt. Diese reinen Bodenbewohner haben aber wiederum nichts mit den bekannten Fledermausfischen der tropischen Riffe zu tun. Man sieht, im Reich der Fische herrscht teilweise eine babylonische Sprachverwirrung.

Beim Antennarius ist die Angel verkümmert; auch auf dem hier abgebildeten Foto ist sie nicht zu erkennen. Die Fische können die Farbe ihrer schuppenlosen Haut verändern. Das geht, ähnlich wie die Fortbewegung, allerdings sehr langsam. Der gelbe Anglerfisch (A. moluccensis) aus der Südsee zeigt manchmal auch eine ziegelrote Färbung. Der in der Karibik beheimatete A. multicellatus ist normalerweise blassgelb. Wenn er erregt ist, wird er fast schwarz.
Der hier abgebildete Fisch, vermutlich ein A. oligospilus, war nahezu weiß gefärbt. Er wurde in der Nähe von Eilat fotografiert. Im Aquarium des Unterwasserobservatoriums befand sich zur selben Zeit ein Fisch der gleichen Art, dessen Farbe allerdings tiefrot war.

erschienen im Sporttaucher, 11/88, Seite 35


Nachtrag:  In einem interessanten Vortrag auf Bonaire erzählte die Biologin Susan Swygert von einem Anglerfisch, der im Hafenbecken von Kralendijk absolut ortstreu auf einem Absatz der Kaimauer in ca. 1 m Tiefe lebte. Bei einem schweren Sturm war er auf den Grund in ca. 6 m Tiefe hinuntergefallen, wo Susan ihn wiederfand. Es dauerte ca. 1 Woche, dann war der Anglerfisch wieder auf seinem Stammplatz in 1 m Tiefe angekommen. Wie er die senkrechte Kaimauer hinaufgekommen ist, weiß keiner.

Nachtrag 2: Normalerweise findet man nur einzelne Anglerfische. Ostern 1997 entdeckten wir an einer Stelle auf Bonaire drei Anglerfische (2 große und 1 kleinerer) auf einer Fläche von ca. 1 m². Ob da wohl Paarungszeit war?


zurück zur Seite mit den Anglerfischen

Copyright: berodiver V 2.2, zuletzt geändert am 10.5.05