gigant1.jpg (24866 bytes)gigant2.jpg (20894 bytes)gigant3.jpg (25946 bytes)
die ca. 15 cm lange Nacktschnecke aus dem Persischen Golf und das Eigelege unter dem Mantelsaum
               Nackte Giganten

Qatar am Persischen Golf hat in taucherischer Hinsicht nicht viel zu bieten. Aber wenn man sich beruflich dort für mehr als ein Jahr aufhält und das warme, tropische Meer direkt vor der Haustüre hat, dann taucht man, auch wenn es nicht so ergiebig ist.
Eines der beliebtesten Tauchziele unseres Tauchclubs war das sog. alte Club Riff, das sich aus zahlreichen versenkten Reisebussen und PKWs zusammensetzte. Dieser große Ring aus Autowracks hatte eine erstaunliche Anzahl tropischer Fische angezogen.

Diesmal war die Sicht ausgesprochen mäßig gewesen, und ich hatte den Tauchgang schlichtweg als Totalverlust abgehakt. Sabine und ich befanden uns mit knappen 60 bar Restluft in der Flasche auf dem Rückweg zum Strand, als ich aus den Augenwinkeln einen ungewöhnlichen Auswuchs auf der Seitenwand des vor drei Jahren versenkten VW-Käfers wahrnahm.
Irgendwie sah das Ding wie eine große, ca. 15 cm durchmessende Seeanemone aus; es war jedenfalls mehr als seltsam. Sabine war aber weitergeschwommen, und um sie nicht zu verlieren, folgte ich ihr. Da für einen zweiten Tauchgang keine Luft vorhanden war, nahm ich mir vor, das "Ding" am nächsten Tag nochmals genau in Augenschein zu nehmen.

Am nächsten Morgen war das Wasser klar und schon von weitem konnte ich erkennen, dass ich zu spät kam. Das "Ding" war weg.
Aber wir fanden es kurz darauf am benachbarten Buick-Straßenkreuzer wieder, und nachdem der Blick geschärft war, konnten wir noch mehrere Exemplare unter dem einen Reisebus entdecken.
Jetzt wurde offensichtlich, dass das, was ich für eine Anemone gehalten hatte, die Kiemenbüschel einer riesigen Nacktschnecke gewesen waren. Ca. 15 cm lang, oval, braun und mit großen Warzen bedeckt, konnte man die Schnecke nur als hässlich bezeichnen. Aber aufgrund ihrer Größe auch faszinierend!

Wir erkannten bald, dass an mehreren Stellen je zwei Tiere eindeutig aufeinander zustrebten, und eine Schnecke, die ich aufnahm, hatte zwischen ihrem Gleitfuß und dem Mantel ein großes, gelbes Eigelege angeheftet. Es sah ganz so aus, als ob diese Schnecken Brutpflege betreiben würden, denn wir konnten niemals freiliegende Eier finden.
Ich habe das alte Club Riff genau ein Jahr lang betaucht und kannte jeden Winkel; aber diese großen Nacktschnecken habe ich nur Anfang November gesehen. Niemand weiß, wo sie sich das restliche Jahr über aufhalten.
Auch habe ich diese Giganten nie im Roten Meer oder auch den Malediven gesehen.

In zwei schlauen Büchern fand ich zwei verschiedene Eintragungen, die auf die Schnecke zutreffen:
- Archidoris Tuberculata: Diese im Mittelmeer vorkommende Schnecke ist ganz ähnlich, aber die Warzen sind nicht ausgeprägt genug.
- In einem Buch über die Meeresfauna Qatars wird die Schnecke lediglich als zur Art Hexabranchus zugehörig bezeichnet.

Falls andere Leser des Sporttauchers irgendwo auch einmal dieser Schneckenart begegnet sind oder mir mehr Informationen vermitteln können, wäre ich für einen Leserbrief dankbar.

Bernd Rothmann  

erschienen im Sporttaucher, 12/92, Seite 32


Nachtrag im August 2004:

Einen Leserbrief zu diesem Artikel habe ich leider nie erhalten, und auch nach 12 Jahren tappe ich bezüglich dieser Schnecke noch im Dunkeln. Inzwischen tendiere ich dazu, sie der Art Asteronotus caespitosus zuzuordnen, d.h. es wäre dann eine Rückensternschnecke.
Eine Schnecke ähnlicher Größe, die z.B. im Roten Meer bei Nachttauchgängen zu beobachten ist, ist die
große Seitenkiemerschnecke (großer Flankenkiemer, gr. Sofakissenschnecke = Pleurobranchus grandis und P. cf. forskali), die aber mit der besagten Art nicht verwandt ist, da der Flankenkiemer keine offen getragenen Kiemenbüschel besitzt.


zurück zur Seite mit den Nacktschnecken

Copyright: berodiver V 2.2, zuletzt geändert am 10.5.05