KENNEN SIE DEN...?

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Wer hat es nicht schon selbst erlebt? Während des Tauchganges hat man einen wunderschönen oder extrem bizarren Fisch gesehen und vielleicht sogar fotografiert.

In der Ausgabe 6/1988 des Sporttauchers hatten wir eine neue Serie gestartet, bei der wir auf die Mitarbeit unserer Leser angewiesen waren. Es handelte sich nicht etwa um ein Quiz, und es gab auch keine Preise. Es sollte vielmehr eine Hilfsaktion von Sporttauchern für Sporttaucher sein.

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Tauchlehrer und Mittaucher konnten auch nicht weiterhelfen bei der Frage, um welchen Fisch es sich wohl gehandelt haben mag. Wieder zu hause wurden Bücher gewälzt, aber trotz aller Mühen blieb die Identität des besagten Fisches ungeklärt.

Wir wollten deshalb Sporttauchern, die mit der Identifizierung unbekannter Fische nicht mehr weiterkamen, die Möglichkeit bieten, Fotos dieser Fische einzusenden. Eine Kurzbeschreibung der Situation, in der der Fisch angetroffen wurde, war dabei genau so wichtig, wie die eigentliche Fischbeschreibung bzw. ein Foto.

Das Sporttaucher-Team gab allerdings zu bedenken, dass alle, die am Sporttaucher mitarbeiten, Amateure sind. Deshalb wäre es bestenfalls ein Zufall, wenn der besagte Fisch schon von den Redaktionsmitarbeitern identifiziert werden konnte, obwohl wir alle unser Bestes geben würden.
Wir hofften vielmehr, dass
sich unter den zehntausenden von Sporttaucherlesern einige finden würden, die Hinweise auf die Identität des Fisches geben konnten, und dass diese sich auch die Mühe machen, eine Notiz an die Redaktion einzusenden.

Den Anfang machen wir mit einem Bewohner des Roten Meeres, den unser Mitarbeiter B. Rothmann Ende März bei Eilat vor die Kameralinse bekam:
Der Fisch lag in ca. 8 m Tiefe auf dem Sandgrund vor einem mächtigen, solitären Korallenblock ("Moses Rock") etwa 1 m vom Felsen entfernt. Es war gegen 11:00 Uhr, also nicht zur Dämmerungszeit. Durch das Fotografieren wurde er erregt und breitete seine Brustflossen aus, die kräftig orange gefärbt waren.

Ein Tauchlehrer erklärte auf die Beschreibung hin, dass es sich möglicherweise um einen "Inimicus filamentosis" handele. Auch in dem Buch "Korallenriffe von H. Schuhmacher ist der Fisch unter diesem Namen abgebildet. Im Tauchmagazin, Heft 6, 1982, Seite 39, wird er als "Inimicus didactylos" bzw. als "Teleskopaugensteinfisch" bezeichnet.

Die Gattung "Inimicus" gehört laut der Enzyklopädie der Aquaristik von G. Streba zu den Steinfischen (Synanceidae), der fragliche Fisch sieht aber nicht gerade steinfischähnlich aus. Interessanterweise konnte er auf seinen krallenförmigen Brustflossenstrahlen laufen; er ist von der Gestalt her aber auch kein Knurrhahn.

Andere Quellen deuten darauf hin, dass der Fisch zur Gattung Parascuroaena zu zählen ist.

Wer kennt diesen Fisch oder kann sachdienliche Hinweise zu seiner Identifizierung geben?

bero

erschienen im Sporttaucher 6/88, Seite 38


im Sporttaucher 8/88, Seite 28, antwortete Armin Kempfer:

Teleskopaugensteinfisch?

den abgebildeten Fisch habe ich auch bereits im Roten Meer beobachtet. Es handelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit um den Teleskopaugen-Steinfisch (Inimicus filamentosus, CUVIER), nicht I. filamentosis! Ein älteres Synonym ist Pelor filamenthosum.
Von der sehr ähnlichen Art Inimicus didactylus (PALLAS) unterscheidet sich unser fragliches Exemplar durch zwei ausgezogene Strahlen an der oberen Brustflosse, die man bei genauer Betrachtung der Fotos sogar erkennt.
Weiterhin ist I. filamentosum im westlichen Indischen Ozean, inklusive seinem Nebenmeer, nämlich dem Roten heimisch, während I. didactylus im östlichen Teil des Indik, im indo-australischen Archipel und im westlichen Pazifik zuhause ist.
Allen Teleskopaugen.Steinfischen ist gemeinsam, dass sie auf Sandzonen leben, wo sie häufig eingegraben auf Beute lauern, sichtbar sind dann nur die erhöhten Teleskopaugen und manchmal die Rückenflosse. Sie bleiben mit 20 cm Länge kleiner als die echten Steinfische. Neben den gestielten Augen unterscheiden sie sich weiter von diesen durch die Trennung der ersten drei Flossenstrahlen von der übrigen Rückenflosse, der "beinchenartig" ausgebildeten Brustflosse, deren zwei äußere Strahlen, ohne verbindende Membran, zum Laufen auf dem Boden dienen, und unter anderem durch ein auffälliges Verhaltensmuster: bei Bedrohung spreizt Inimicus die Brustflossen ab und faltet die Schwanzflosse auseinander; warnend leuchtet dann dem Angreifer ein grell orange gefärbtes Muster entgegen. ähnlich, wie man es bei manchen Schmetterlingen beobachten kann.

Armin Kempfer


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