Dr. Bernd Rothmann beschäftigt sich mit dem besonderen Verhalten der verschiedensten Lebewesen, natürlich auch unter der Wasseroberfläche. Er beginnt hier eine Serie, die Ihnen neben neuen Erkenntnissen sicher auch viel Spaß bringen wird.

Bucklige Wal-Opern

Von den Buckelwalen (Megaptera novae-angliae) weiß man inzwischen viele interessante Dinge. Buckelwale machen oft mehrfach hintereinander hohe Luftsprünge, oder sie drehen sich verspielt auf die Seite und strecken ihre bis zu vier Metern lange Brustflosse aus dem Wasser.
Ihr größtes Talent aber entwickeln diese Riesen auf musikalischem Gebiet. Die Buckelwale singen regelrechte Opern, die sogar von Ozean zu Ozean verschieden klingen. Normalerweise geben Wale Pfeif- und Klicklaute von sich, von denen man annimmt, dass dies eine Art Auslotung des Terrains mit einem organischen Echolot sei.
Während der Paarungszeit und des Kalbens im Winter werden die Gesänge der Buckelwale jedoch viel komplizierter. Einzelne Sequenzen dauern zwischen 6 und 30 Minuten und werden häufig wiederholt. Achtzehn verschiedene Geräusche werden zu kurzen, rhythmischen Sätzen verarbeitet.
Walgesänge, die im Nordatlantik, vor Afrika oder bei den 4300 km entfernten Westindischen Inseln aufgenommen wurden, klangen einander sehr ähnlich. Ebenso glichen sich die Choräle im Nordpazifik vor Hawaii und in ca. 5000 km Entfernung vor Mexiko. Sie unterscheiden sich jedoch stark von den atlantischen Walliedern. Eine dritte abweichende Wal-Oper war im Südpazifik bei den Tonga-Inseln zu hören.
Es ist auch noch nicht geklärt, ob die Unterschiede der Gesänge in den verschiedenen Ozeanen auf genetischen Gründen basieren, oder ob es sich um überlieferte und gelernte "Volkslieder" handelt.

Die eifrigsten Sänger sind unverheiratete Bullen des Buckelwals, ihre Liebeslieder werden von den Weibchen noch in hundert Kilometer Entfernung wahrgenommen. Die mit den Buckelwahlen verwandten Finnwale (Balaenoptera physalus) geben Töne von sich, die der Mensch noch in 75 km Entfernung hören kann. Die auf diese Rufe spezialisierten Finnwalweibchen reagieren noch in 840 km Entfernung darauf; das ist die Strecke Genua - Palermo.
Die lautesten Geräusche, die ein Lebewesen von sich geben kann, sind die Pfeiftöne des Blauwals (Balaenoptera musculus), die mit einem Schallpegel von 180 db sogar ein vorbeifliegendes Düsenflugzeug (ca. 170 bd) übertönen. Man stelle sich einmal den Lärm in einer palavernden Walherde vor.
Doch zurück zu den Buckelwalen, diesen ist keine Mühe zu groß, ihr musikalisches Talent unter Beweis zu stellen. Von ihren Heimatgewässern im hohen Norden, wo sie sich während der Sommermonate aufhalten, wandern die Wale ca. 9000 km bis in die Äquatornähe, wo sich die Wale paaren und die Weibchen ihre Jungen bekommen. Diese werden in den warmen Gewässern zur Welt gebracht, damit sie erst eine vor der Kälte schützende Fettschicht ansetzen können, bevor sie in die nahrungsreicheren, kalten Polarmeere zurückwandern.

Die bis zu 20 Meter langen Buckelwale zählen zu den Bartenwalen und stehen seit 1966 unter Naturschutz. Lediglich die grönländische Walfangflotte darf jährlich 10 Tiere abschießen (Stand 1983). 1981 gab es noch ca. 2000 Buckelwale im Atlantik.

Bei der nächsten Begegnung mit einem Buckelwal während eines Tauchganges sollte man diesem also etwas vorsingen, vielleicht frisst er dann aus der Hand!


erschienen im Sporttaucher, 4/83, Seite 8


Übrigens... das ganz oben abgebildete Monster habe ich 1983 eigenhändig für diese Serie im Magazin "Sporttaucher" entworfen. Ich war deshalb schon überrascht, als ich später beim Tauchen in der Westerschelde (Niederlande) diese Grafik im Werbelogo der Tauchbasis "Rene's Oulde Kapel" entdeckte. Als ich Rene darauf ansprach, stritt er jedes Plagiat ab. Peinlich war nur, dass man beim Monster im Oude-Kapel-Sticker deutlich die Buchstaben "bero" lesen konnte. D.h. Rene hatte die Grafik wirklich "abgekupfert" und nicht mal neu zeichnen lassen. Peinlich, peinlich...


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