Wissenswertes zu den Rotfeuerfischen

Interessantes zu den Tentakeln

Wenn man die Rotfeuerfische (Pterois volitans) beim Tauchen genau beobachtet, so findet man welche mit und andere ohne Tentakel über den Augen (Fotos 1 und 2). In den einschlägigen Bestimmungsbüchern wird darauf nicht eingegangen. 
Wenn mehrere Rotfeuerfische im Rudel auftraten, so gab es meist welche mit oder ohne Tentakel (z.B. Foto 3). Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass sich Männchen und Weibchen durch die Tentakel unterscheiden. Es gibt aber keinen wissenschaftlichen Beweis für diese Theorie. Ebenso wenig dafür, dass es sich um unterschiedliche Unterarten handelt.


Foto 1 und 2: Pterois volitans mit und ohne Tentakel über den Augen
(Fotos: E. Mißfeld und A. Möseler)


Foto 3: Ein Pärchen Rotfeuerfische P. volitans; ein Fisch hat Tentakel, der andere nicht.
(Foto: B. Rothmann)

Ich habe deshalb im Internet Fragen an Experten von Meerwasseraquarien und meeresbiologischen Uni-Fakultäten gerichtet.
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Paula E. Whitfield (NOAA) nimmt an, dass die Tentakel evtl. bei älteren Tieren abgestoßen werden.
- Lev Fishelson (Tel Aviv University) hat beobachtet, dass Jungtiere meist lange, dünne Tentakel aufweisen, die bei erwachsenen Tieren kürzer und dicker werden und bei sehr alten Fischen ganz fehlen.

Lev Fishelson hat außerdem eine interessante Arbeit (*) über einen neuen Typ (phenotype) des Pterois volitans veröffentlicht, in der er erstmals Tentakel wie Pfauenfedern beschreibt, die auch ein "falsches Auge" beinhalten. A. Myrberg stellte die These auf, dass diese Tentakel kleine Fische simulieren sollen, die wiederum andere Fische vor das Maul des Rotfeuerfisches locken sollen (wie beim Anglerfisch). Die großen Tentakel geben außerdem dem Kopf des Fisches ein größeres Aussehen, was a) Feinde besser abschreckt, und b) Partner vom anderen Geschlecht bei der Paarung anlockt.
Diese Fische wurden zuerst im Dhalak-Archipel in Erythrea im südlichen Roten Meer beschrieben. Die Pfauenfeder-Tentakel sind sehr selten und wurden seitdem im Roten Meer bisher nur vereinzelt im Golf von Aquaba, vor Hurghada und in der Shurgada Bbay gesehen. In der Datenbank "Fishbase" gibt es 400 Fotos vom P. volitans, aber keines mit Pfauenfeder-Tentakel. Seit ca. 15 Jahren werden die "neuen" Tentakel auch in anderen Lebensbereichen des Rotfeuerfisches beobachtet, d.h. in Kenia, auf den Comoren, in New-Caledonia und in New-Britannia (Pazifik).
Wir haben es hier offensichtlich mit der Evolution eines neuen Tentakeltyps zu tun, der effektiver als die alten Tentakel ist, und sich kontinuierlich inmitten der "altbackenen" Rotfeuerfische durchsetzt und ausbreitet.  
Ich selbst habe in meinem Fundus nur vier Fotos dieses Rotfeuerfisches gefunden: ein Bild, 1989 am Wrack der Dunraven (West-Sinai) aufgenommen, zwei Fotos von 2004 aus der Lahami Bay in Südägypten und eines vom Hausriff des Shams Alam Hotels (Wadi Gimal, Südägypten).




vier Fotos des seltenen Rotfeuerfisches mit Pfauenfeder-Tentakeln. (v.l.n.r. u. o.n.u.: Dunraven 1989, 2 x Lahami Bay 2004, Wadi Gimal 2006, Middle Reef 2007) (alle Fotos: B. Rothmann)

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(*) Lev Fishelson: Evolution in action-peacock-feather like supraocular tentacles of the lionfish Pterois volitans - the distribution of a new signal, Environmental Biology of Fishes, 75, 2006, 343-48, Springer 
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Kontroverse um Pterois volitans und Pterois miles

Einige Autoren unterscheiden zwischen Pterois volitans, der nur im Indopazifik lebt, und Pterois miles, den es nur im Roten Meer geben soll. Deutlicher Unterschied seien die schwarzen Punkte auf den unpaarigen Flossen, die den P. volitans, den pazifischen Rotfeuerfisch auszeichnen, und die beim P. miles, dem indischen Rotfeuerfisch, fehlen. Dies konnte durch modernste, molekularbiologische Studien aber nicht bestätigt werden. Auch die andere Abarten des P. volitans, die als P. russeli, P. muricata und P. mahe bezeichnet werden, werden von einigen Wissenschaftlern in Frage gestellt. Rotfeuer-Spezialisten sind überzeugt, dass es nur einen P. volitans in unterschiedlichster Färbung und Flossenform gibt.

Rotfeuerfische im Atlantik und Mittelmeer

Der Rotfeuerfisch ist offensichtlich sehr wanderfreudig, denn er wird jetzt auch häufig im östlichen Mittelmeer beobachtet. Dabei gilt als sicher, dass er über den Suezkanal aus dem Roten Meer zugewandert ist.
Paula E. Whitfield (NOAA) veröffentlichte 2002 ein Arbeit über das vermehrte Auftreten von Rotfeuerfischen (Pterois volitans) in der Karibik und im Nordatlantik vor der amerikanischen Küste bis hinauf nach North Carolina. Es ist noch ungeklärt, wie diese Fische, die eigentlich im Indopazifik zuhause sind, dorthin kamen. Die Theorien reichen von der Wanderung durch den Panama-Kanal bis zum Aussetzen großer Fische durch Aquarianier. Sicher ist auf jeden Fall, dass die Populationen ständig größer werden, d.h. dass die Fische sich an das Leben im Atlantik angepasst haben. 
Link: http://www.ccfhr.noaa.gov/stressors/invasivespecies/Lionfish

Jungfische

Bei genauem Hinsehen kann man im Riff oft kleine Rotfeuerfische finden, die entweder sehr hell, oder sehr dunkel gefärbt sind, und die sich durch sehr lange dünne Brustflossen auszeichnen. Ich habe mich lange Zeit gefragt, ob das eine besondere Art der Rotfeuerfische ist, aber Experten haben mir immer wieder versichert, dass es sich um die Jugendformen von Pterois volitans bzw. miles handelt. Im folgenden sind einige "Babyfotos" wiedergegeben:


(Fotos: B. Rothmann, E. Mißfeld, T. Ahring)

Es fällt übrigens auf, dass alle Rotfeuer-Babys, die ich bisher gefunden habe, lange, stachelförmige Tentakel besitzen. Daraus kann man die Frage ableiten, ob sich die Pfauenfeder-Tentakel (s.o.) erst später im Leben des Fisches ausbilden? Oder hat jemand schon ein Baby mit Pfauenfeder-Tentakel gesehen?

Sonstiges

Männchen verfärben sich dunkel, wenn sie die Weibchen umwerben, die Weibchen werden kurz vor der Eiablage deutlich heller. Sie legen Bälle aus zehntausenden von Eiern ab, die frei im Wasser schwimmen. Auch die geschlüpften Larven bleiben noch ca. 1 Monat im offenen Wasser innerhalb des Planktons, bevor sie sich zum Fisch umwandeln und im Riff ansiedeln.
Die Rückenstacheln der Skorpionsfische sind mehr oder wenig giftig. Da das Gift auf Eiweißverbindungen beruht, kann es ggf. mit Hitze zerstört werden, z.B. durch Eintauchen in möglichst heißes Wasser oder durch heiße Kompressen.
Die Skorpionsfische tragen zwar Schuppen, darüber liegt aber eine Epidermis, die mehrmals jährlich abgestoßen und erneuert wird (Häutung).

Stamm: Chordata - Chordatiere
  Unterstamm: Vertebrata - Wirbeltiere

     Klasse: Osteichthyes - Knochenfische
        Überordnung: Acanthopterygii
          Ordnung: Scorpaeniformes - Scorpionsfischartige
             Familien: Panzergroppen, Samtfische, Pelzgroppen, 
                           Rennpferdfische, Scheibenbäuche, Grün-
                           linge, Indianerfische, Flachköpfe (Kroko-  
                           dilsfische), Knurrhähne
              Familie: Scorpaenidae - Skorpionsfische (Panzer-
                  Gattungen:                                            wangen)
                      Scorpaenae (Drachenköpfe)
                      Parascorpaenae (Drachenkopfähnliche)
                      Scorpaeniopsis (Skorpionsfische)
                      Pterois  (Feuerfische)
                      Dendrochirus (Zwergfeuerfische)
                      Inimicus (Teufelsfische)
                      Synanceia (Steinfische)
                      Tetraroge (Segelfische)
                      Taenianotus (Schaukelfische)
                      Helicolenus, u.a.
   
Es gibt auch Autoren, die den Steinfischen eine eigene Familie zugestehen. 
benachbarte Stämme:
Mollusken, Schwämme, Quallen, Nesseltiere (Korallen), Stachelhäuter u.a.

benachbarte Klasse im Stamm Chordata:
Chondrichthyes - Knorpelfische
(Haie und Rochen) 

 

 

 

 

 

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Copyright berodiver,  Fischbestimmung V2.2., erstellt am 17.6.06, letzte Änderung am 25.6.07